Dirk Wilhelm - Sinnbild
Skulptur
Seminare

Francesca Pivato
zur Arbeit von Dirk Wilhelm

In den plastischen Arbeiten erkennt man den im Menschen angeborenen Wunsch, die Materie zu beherrschen, sie von einem ungezähmten Zustand in eine geordnete, lesbare Dimension zu bringen. Der künstlerische Prozess, der die Skulpturen zum Leben erweckt, hat seinen Beginn in einer irregulären, rauen, primitiven Masse, die durch den Kontakt mit Hammer, Meißel und Feile eine Metamorphose durchläuft.

Manchmal scheint Dirk Wilhelm die Materie wirklich zu kontrollieren, andere Male scheint die Natur zumindest Teile des Kampfes gewonnen zu haben: In letzterer Werkreihe behält der Alabaster einerseits seine natürlichen Charakteristika bei, während andererseits auch gewundene, perfekt glatte Oberflächen vorkommen. Hier stoßen wir auf das ewige Dilemma zwischen Ordnung und Unordnung, zwischen wild und ungezähmt, zwischen Strukturdrang und Entropie, zwischen finito, nonfinto.

Trotz des Wissens vollzieht D. Wilhelm mit seinen Skulpturen eine metaphorische Verbeugung vor der Kraft der Natur und ihren Gesetzen. Die andere Werkreihe vermittelt dem Betrachter das Gefühl, die absolute Ruhe des Raums spüren zu können, frei von Schwere. Die Natur des Alabasters mit seiner weißen Farbe, welche die ganz Farbpalette beinhaltet, ist teilweise wunderbar reflektierend, aber auch durchlässig für Licht. Die Skulpturen scheinen fast in einem zeitlosen Raum rotierende Körper zu sein.

Der Bildhauer D. Wilhelm denkt elegante und schlichte Formen aus, die sich mit der klassischen Bildhauerei der frühen Renaissance wieder verbinden. Seine Werke sind nicht an der Figur orientiert, aber streben nach einer Perfektion, die eine Einheit von Material, Form und Umgebung in sich zusammenfasst.